Würde ich nicht in die Richtung studieren, hätte ich mich wohl niemals mit diesem Thema beschäftigt, na was heißt niemals, aber nicht so schnell. Jeden Montag hatte ich im ersten Semester Fotografie als Fach, leider waren wir immer ziemlich viele Leute und haben alle die Suppe gesalzen und dementsprechend schlecht hat sie auch geschmeckt. Es sind keine wirklich tollen Fotos entstanden, weil keiner richtig Verantwortung übernehmen wollte, aber alle wollten etwas einwerfen. Letzte Woche Montag war es uns dann freigestellt, ob wir kommen wollen, da der Prof. nicht da war und nur sein Handlanger da gewesen ist. Zuerst wollte ich zu Hause bleiben, da ich ein sehr tolles, aber auch sehr schlafloses Wochenende hatte.
Zum Glück bin ich doch gegangen, denn wir waren nur 4 Leute und so konnten wir endlich einmal richtig Fotos machen. Aufgabe war es ein Porträt zu machen. Ich wollte vor einigen Wochen schonmal etwas ausprobieren, aber aufgrund der wenigen Zeit kam es nicht mehr dazu. Wir haben uns geeinigt, dass jeder ein Setting umsetzt und dass wir schnell arbeiten wollen. Also fing ich mit dem ersten Bild an. Ich wollte zwei Octoboxen, die eine Schere machen, es sollte ein schönes, helles Frauenporträt werden. Also alles aufgebaut, eingeleuchtet, Licht gemessen und was noch dazu gehört.
Ich finde es wirklich schwer mit einer Großformatkamera zu fotografieren, es ist ungewohnt, dass man alles auf dem Kopf sieht, es ist ungewohnt, dass man sich nicht dahinter verstecken kann und immer wenn man seinem Model etwas sagt und neben der Kamera steht, schaut sie einen an und nicht mehr dahin wo sie sollte. Sehr ungewohnt. Ich hatte auch ziemliche Angst auf den Auslöser zu drücken, weil so ein Film schon viel Geld kostet und wir wollten nur ein Bild machen. Das scharfstellen finde ich schwer, man starrt nur auf eine riesige Mattbox und schiebt die Standarten hin und her und hofft, dass das Bild nun auch wirklich scharf ist.
Ich muss sagen es hat Spaß gemacht, so eine Kamera ist echt ein Geschütz und ich möchte so eine Kamera erstmal nicht zu Hause haben oder privat damit fotografieren, dafür ist mir das einfach viel zu aufwendig und anstrengend. Im Studium macht es aber viel Spaß, wenn man in einem hochmodernen Fotostudio steht, mit den tollen Blitzen und der ganzen Ausrüstung, die ich mir Privat gar nicht kaufen kann. Ich bin jedenfalls froh, dass wir die Möglichkeit haben und freue mich schon, wenn ich in dem Studio mal privat Bilder machen kann.
Nachdem dann jeder sein Foto für sein Setting gemacht hatte, sind wir nach unten ins Labor gegangen. Eins vorneweg, ich habe absolut keine lust sowas zu machen. Das Negativ entwickeln ist so anstrengend. Man steht da alleine in einer dunklen Kammer und von draußen schreit einer die ganze Zeit dass man schütteln soll und dass man wieder aufhören soll mit schütteln und wenn man nachfragt wie lange noch, weil man doch schon Stunden alleine in der Dunkelheit steht, dann erfährt man, dass man grade mal drei Minuten da drinnen ist und man nochmal 15 Minuten da stehen muss. Dann kommt noch Wässerung und dann nochmal 15 Minuten entwickeln. Gruselig und absolut nicht meins.
Dann ging es ans Ausbelichten. Nachdem ich meinen ersten Teststeifen total falsch gemacht habe und am Ende nur alles verschwommen und schwarz war, habe ich es richtig gemacht. Mich dann für eine Belichtungszeit entschieden und dann mein Bild auf 18 x 24 vergrößert.
Natürlich ist das nicht das geilste Foto auf der Welt und ich habe einige Sachen falsch gemacht, z.B. sollte der Hintergrund weiß und nicht grau sein, aber es ist mein erstes Großformatbild, welches ich fast alleine gemacht habe.
Es war ein sehr lehrreicher Tag und ich freue mich schon auf den kommenden Montag, denn jetzt hab ich einigen Leuten was voraus und kann da mutiger rangehen. Denn das Biest was ich vorher in der Großformatkamera gesehen habe ist jetzt zwar kein kleines Regenpony, aber schon eher ein frisch geschlüpfter Drache.
Hier das fertige Foto. Der Fleck unten links kommt entweder durchs falsche einlegen des Films oder irgendwas ist da drangekommen, ich weiß es nicht genau, ist jedenfalls schade. Und dass das Bild so komische Schlieren hat, liegt an meinem Scanner, ich habe nur so einen, der grade mal für Texte reicht. Aber ich denke man erkennt das Bild trotzdem.
Was sagt ihr zu dem Bild?


